Reparatur eines Samsung Syncmaster 204B - Bild flimmert

Kurz nach Ablauf  der Garantie zeigte mein Samsung Syncmaster 204B folgendes Fehlerbild: Der Bildschirm flimmert nach jeden Neueinschalten. Das Flimmern beginnt mit einer niedrigeren Frequenz und der Bildschirm ist während des Flimmerns öfter in Dunkelphasen als in Hellphasen. Die Flimmerfrequenz erhöht sich dann innerhalb ca. einer Minute, der Anteil der Hellphasen erhöht sich auch und schliesslich geht der Monitor in eine normale Darstellung ohne Flimmern über. Mehrfaches Einschalten ist oft erforderlich, um den Bildschirm so zur Anzeige zu bringen. Manchmal bleibt er ganz dunkel, durch Neueinschalten ist er aber immer zum Funktionieren zu bewegen.

Suche im Internet zeigt: Dies ist ein bekanntes Problem der Samsung Syncmaster-Geräte. Im Syncmaster wurden zwei Kondensatoren verbaut, die entweder mindere Qualität haben oder nicht innerhalb ihrer Spezifikation betrieben werden.

Es handelt sich um zwei Kondensatoren 820 Mikrofarad, 25Volt, bis 105 Grad Celsius einsetzbar. beide Kondensatoren sind in der Schaltung parallelgeschaltet.

Ich habe diese Kondensatoren durch zwei Kondensatoren mit 35V Spannungsfestigkeit ersetzt. Mangels genauen Ersatzwerten habe ich 1000+470 Mikrofarad genommen, Betriebstemperatur ebenfalls 105 Grad Celsius. Dies ist von der Kapazität etwas niedrig, hat aber im Dauertest (Reperatur ist ca. 1 Jahr her) auch funktioniert. Ich würde aber immer zum Ersatz mit gleichen Kapazitätswerten wie beim Original raten.

Das Zerlegen des Geräts und das Ersetzen der beiden Elkos ist im folgenden beschrieben.

Das Gerät wird zunächst mit dem Display nach unten auf eine weiche Unterlage gelegt. Damit wird verhindert, dass beim Zerlegen Kratzer etc. entstehen.


Der unzerlegte Syncmaster

Danach wird der Fuß entfernt. Dazu sind zwei Schrauben zu lösen.


Hier wurde der Fuß gelöst.

Nun wird das Vorderteil (Silbern) vom Hinterteil (Schwarz) gelöst.


Beginnend an den Einstellknöpfen wird das Vorderteil vom Hinterteil gelöst. Dazu sind Platstikteile, die die Vorder- und Rückseite miteinander verhaken, durch Drücken nach hinten nacheinander zu lösen. Diese hakenartige Plastikteile haben etwa 15cm Abstand voneinander und gehen komplett um das Gerät herum.
Ich habe die beiden Teile trotz großer Sorgfalt nicht ohne Spuren voneinander lösen können. Die Spuren treten aber nur an der Unterseite auf und sind später so nicht mehr sichtbar.




Das Vorderteil ist auf diesem Bild komplett gelöst.

Das Vorderteil kann allerdings am Gerät verbleiben. Wenn das Vorderteil lose ist, kann aber auch die hintere Abdeckung entfernt werden.

 


Entfernen der hinteren Abdeckung

 


Lösen einer Verbindung, um die Metallabdeckung weiter zu entfernen.


Entfernen von Schrauben, die die hintere Metallabdeckung halten.

 


Auch an der Oberseite sind Schrauben zu lösen.

Die lose Metallabdeckung kann nun entfernt werden. Man sieht nun zwei Platinen, links die Hochspannungsplatine für die Backlight-Beleuchtung und rechts die Controller-Platine für das Display.


Blick auf die Platinen unter der Metallabdeckung.

 


Die Hochspannungs-Platine. Hier sind die schadhaften Elkos zu finden.

 


Die Controller-Platine.

Auch ein ungeübtes Auge wird vermutlich die defekten Elkos erkennen. Je nach Zustand sind diese aufgequollen, zeigen ausgetretenes Elektrolyt oder sind gar geborsten.


Die beiden problematischen Elkos C110 und C111. Beide sind aufgequollen,
bei beiden ist auch schon Elektrolyt ausgetreten (braune Verfärbungen). Elkos die so aussehen, sind generell "hinüber" und müssen sicehrheitshalber immer ersetzt werden, selbst wenn sie beim Nachmessen noch Ihre Sollwerte (an Kapazität) aufweisen würden.
Der ebenfalls sichtbare Elko C112 ganz rechts ist übrigens ein Beispiel, wie ein Elkro aussehen sollte, wenn er funktioniert. Nicht aufgequollen, nicht verformt, kein ausgetretenes Elektrolyt, halt "fabrikneu".
Um die Elkos zu ersetzen, muß die Platine vom Gerät entfernt werden. Dazu sind drei Kabelbäume zu lösen (abzuziehen) und einige Schrauben zu entfernen.

Lösen der beiden Backlight-Anschlüsse

 


Lösen der Verbindung zum Controller-Board

 


Entfernen von Schrauben ...

 


... und weiteren Schrauben.

Im folgenden Bild ist die Platine gelöst.

Auf der Lötseite der Platine befindet sich eine Lage aus isolierendem Plastik. Diese muß teilweise gelöst werden.


Lösen eines Befestigungspunktes der Abdeckung zur Platine

 


Hier sind die Lötpunkte für C110 und C111 sichtbar. Die Abdeckfolie ist mit einem Stück Styropr weggebogen.
Im folgenden Bild sind die beiden ausgetauschten, neuen Elkos zu sehen. Ich hatte keine 2x820µF. Da beide parallel geschaltet sind (also eine Gesamtkapazität von 1640µF bilden) habe ich ersatzweise einen 1000µF und einen 470µF Kondensator verwendet. Wichtig ist neben der Kapazität gleiche oder bessere Temperaturbelastbarkeit (Soll: 105 Grad Celsius) und gleiche oder bessere Spannungsbelastbarkeit (Soll: 25V). Ich habe gleiche Temperaturfestigkeit und etwas höhere Spannungsfestigkeit (35V) genommen.

Die neuen Kondensatoren sind eingelötet.

 


Das Board wurde wieder eingesetzt.

 


Beim Zusammenbau keinen Anschluß vergessen ...
Zum Abschluß ein Blick auf die ausgelöteten Elkos.

Blick von vorn. Die Ausbeulung ist deutlich zu sehen.

 


Blick von der Seite. Auch auf der Unterseite sind die Elkos deutlich aufgequollen.
Nach dem Zusammenbau funktioniert mein Samsung Syncmaster 204B wieder wunderbar.
Nachtrag nach ca. 1 Jahr Betrieb: Der Bildschirm funktioniert immer noch wunderbar :-)

Elkos, die a) minderqualitativ sind oder b) jenseits ihrer Spezifikation betrieben werden,  können noch viel schlimmere Dinge tun als einfach nur Aufquellen oder ein bischen Elektrolyt absondern. Sie können nämlich explodieren, wobei ziemlich viel Dreck entsteht. Eine Gerätereparatur ist dann auch mit einer aufwendigen Säuberung verbunden...
Beispielhaft kann das Verhalten  (Explodieren)von Elkos bei Überspannung hier betrachtet werden.
http://www.eevblog.com/2009/11/04/eevblog-42-exploding-capacitors-in-high-speed/