Linux zum Fernsehen und als Videorecorder
Es gibt mehrere Ansätze, um unter Linux Fernzusehen oder um Sendungen
aufzuzeichnen. Ich habe mich mit zwei dieser Ansätze beschäftigt:- Zuerst mit MythTV (in der knoppmyth Distribution), das ich von 2006 bis 2009 verwendet habe
- Dann VDR (mit den Gen2VDR Distribution), das ich seit 2009 nutze
2006 war die Installation von MythTV auf der knoppmyth Distribution mit einer Kabeltunerkarte sehr komplex und ganz schlecht dokumentiert. Die Installation und Konfiguration war daher zeitaufwendig, frustrierend und zum Teil weiss ich garnicht mehr, was ich alles getrickst habe, bis Fernsehempfang, EPG, ACPI Wakeup und damit vollautomatische Aufnahmen endlich liefen. Der ganze Vorgang war unwiederholbar ;-( Ich habe das weiter unten ausführlich beschrieben.
Als ich 2009 umzog und dort kein Kabelempfang, sondern Satellitenempfang vorhanden war, konnte ich mein völlig unverändertes MythTV von 2006 nicht mehr nehmen. Optimistisch habe zuerst ich die aktuellste Version von knoppmyth heruntergeladen, eine Sat-Karte statt der Kabeltuner-Karte in den Rechner gesteckt und die Installation gestartet. Die erste Karte (Technisat Skystar II Revision 2.8) wurde vom knoppmyth Kernel nicht unterstützt, es mag da Patches etc. geben aber dann gerät man in eine üble Update-Orgie und eventuell in eine Sackgasse. Also habe ich die Karte ersetzt durch eine garantiert unterstützte (Hauppauge WinTV Nova-SE2). Die wird vom knoppmyth-Kernel sauber erkannt und eingebunden. Dann der Schock: Die Kanalerkennung bei knoppmyth ist noch genauso schrottig wir vor 3 Jahren ich müsste alles per Hand machen und das ohne vernünftige Doku.
Ich gebe daher dem Konkurrenzprogramm VDR eine Chance. Und siehe da, die Karte wird erkannt und alle Sat-Sender (über 3000 :-) sind sofort auswählbar. Daher beschliesse ich, mit VDR weiterzumachen. Dies habe ich im folgenden beschrieben.
VDR auf Gen2VDR
Nach der Probeinstallation bin ich platt von der Funktionalität von VDR, das aus dem Rechner tasächlich einen Fernseher und einen VCR macht. Ich installiere daher nochmal, aber nicht auf dem alten, leistungsschwachen Pentium III-Rechner, auf dem bisher MythTV lief, sondern auf einem leistungsstärkeren Rechner (AMD Athlon64 3400+ mit 2,4Ghz und 3GB RAM auf Motherboard GA-K8VM800M). Ich werde den neuen Rechner nicht mehr nur als VCR, sondern eben auch zum Fernsehen nehmen, da wäre der Pentium III zu langsam. Das Motherboard ist in einem wohnzimmertauglichen Gehäuse eingebaut. Es lässt sich über ACPI aus dem Ruhezustand aufwecken, ein wichtiger Punkt für die VCR-Funktion.
PC-Gehäuse fürs Wohnzimmer
Hauppauge Karte WinTV Nova-SE2 mit Conexant CX23883. Die Karte kann über den Anschluß rechts um einen CI-Slot erweitert werden. Die Karten haben unterschiedliche Ausstattung, ich habe einen Composite-Video sowie einen SVideo-Eingang und eine Anschklußmöglichkeit für einen Hauppauge IR-Sensor für Fernbedienungen (Der Sensor liegt nicht bei, ich habe aber einen passenden von der alten Karte).
In den Rechner kommt die Sat-Karte, dann wird die Installation von DVD gestartet. Das DVD-ISO-Image erzeugt man sich bei der Gen2VDR-Distribution vorher selbst, vieles wird dabei von Grund auf neucompiliert. Man muss aber nichts tun, alles läuft automatisch ab. Die Installation selbst läuft ohne besondere Vorkommnisse ab, ohne das ich etwas dazu tue funkioniert anch der Installation das ACPI-Wakeup sofort und auch die Sat-Sender werden alle sauber gefunden. Das EPG versorgt sich vom Satelliten und nicht wie bei MythTV aus dem Internet, das oft Stunden dauerte. Auch eine Fernbedienung funktioniert sofort.
Alle folgenden Bilder wurden mit einer Digitalkamera vom Bildschirm gemacht, da ich kein Screen-Capturing-Programm für Gen2VDR zur Verfügung hatte.
Bild: VDR Hauptmenü
Bild: EPG (Electronic Programm Guide) Ansicht. Das EPG wird via Satellit bezogen.
Mittels "Suche" kann im EPG u.a. nach Suchpattern gesucht werden.
Bild: Aufnahmetimer Ansicht. Hier ist einer für den Film "Das Auge" gesetzt. Die Aufnahme kann u.a. VPS-gesteuert erfolgen.
Bild: Ansicht des Menües "Aufzeichnungen". Alle bisher aufgenommenen Sendungen werden dargestellt.
Bild: Detailinfo zu einer Aufzeichnung
Bild: Dialog zum Abspielen vorhandener Videos; Abspielen von DVD und CD ist ebenfalls möglich
Bild: Menü "Befehle"
Bild: Menü "Einstellungen"
Leider fehlt mir bisher das tolle tvwish,-Skript, das bei MythTV die eventuell interessanten Filme aus dem EPG für mich herausfischte, aber vielleicht finde ich da noch einen Ersatz... Es soll für VDR zahllose Plugins geben, die sich in die Menüstruktur integrieren lassen, und die viele nützliche Funktionen bieten.
MythTV (2006-2009, meine alte Installation)
MythTV Startseite
Hinweis 2009: Die beschriebene Installation wurde 2006 durchgeführt, 2009 habe ich mich nochmal mit MythTV beschäftigt. Es ist von der Installation her komplex und ich würde heute eher zur Nutzung von VDR raten, siehe weiter oben!
MythTV ist eine Media Center-Programm unter Linux. Auf einem extra dafür gekauften Siemens Scovery XS - Mini-PC, der mit 48 Watt im Betrieb sehr stromsparend und ausserdem sehr leise ist(in 2m Abstand nicht mehr zu hören), beginne ich mit der Installation. Als Platte baue ich eine 320GB Platte ein, so dass man einiges aufnehmen kann, ohne Platzprobleme zu bekommen. Im Scovery ist wegen der geringen Größe des Geräts nicht viel Platz, man kann nur zwei PCI-Karten einbauen und eine zweite Platte wird ohne Entfernung von Floppy und CDROM (die bei mir ohnehin nicht vorhanden sind) nicht in das Gerät passen.
Es gibt eine spezialisierte Linux-Installation namens Knoppmyth, die ein Knoppix Linux und ein darauf installiertes MythTV enthält, so dass man mit der Installation nicht bei Null anfangen muss. Allerdings ist trotzdem vieles an Anpassungsarbeiten erforderlich. Ich brauche für die wichtigeren Sachen gut 2 Wochen bis alles wichtigere funktioniert. Für leistungsschwachere Geräte wie den Siemens Scovery (der nur 866 Mhz und einen Pentium 3 hat) muss man eine TV-Karte nehmen, die in Hardware die Videokompression vornehmen kann. Mit meiner Hauppauge WinTV PVR 150 kann ich PAL-Vollbild (768x576) in hoher Qualität als MPEG-2 digitalisieren. Die Kompression (im Sinne Kleinheit der Resultatdatei) von MPEG-2 ist allerdings nicht so grossartig, für eine Stunde Film kommen etwa 2 GByte heraus, so dass ein längerer Film inklusive Werbung schon mal auf 6-8 GByte kommt.
TV Tuner und eine zusätzliche Gigabit-Netzwerkkarte. In den Scovery kann man
nur zwei PCI-Steckkarten einbauen.
Ich konvertiere daher die interessanteren Filme zum Aufheben nach XVID. Beim Konvertieren kann man auch überflüssige schwarze Streifen oben und unten wegschneiden (mittels mencoder aus dem mplayer-Paket, Infos hier). Dann kommt man auf etwa 1 GByte pro Stunde bei sehr guter Film- und Tonqualität (2000 KBit/s für Bild und 192KBit/s für Ton). Mittels avidemux2 kann dabei noch Überflüssiges (am Anfang, am Ende, Werbung) aus dem Film herausgeschnitten werden. Zur Digitalisierung von Video habe ich hier einiges geschrieben.
MythTV bietet sehr viel Funktionalität, z.B. ein EPG (Electronic Program Guide), mit dem man komfortabel Sendungen zum Aufnehmen selektieren kann und sehr sehr viel mehr Funktionen. Ausserdem kann man auch Live fernsehen, es ist also nicht nur ein Rekorder.
Auswahl oder eine Suche nach Stichworten und weiteres möglich.
Sendung wird gerade aufgenommen, die grün gefärbten werden noch aufgenommen und
die weiss gefärbten werden nicht aufgenommen (weil vom Nutzer manuell
aus der Auswahl entfernt)
sonstwie abgelegte Videos und Musik oder Bilder ansehen. MythTV bietet volle
Media Center Funktionalität, ich nutze es nur für Fernsehaufnahme und Wiedergabe.
tvwish habe ich ebenfalls mitinstalliert. tvwish erlaubt die Definition von Suchbegriffen ("Suggestions") für Filmtitel, Schauspielernamen etc., nach denen es das vorhandene Programmmaterial (welches MythTV sich aus dem Internet beschafft) durchsucht. Wird eine Übereinstimmung gefunden, wird die Sendung als zum Aufnehmen vorgeschlagen oder direkt aufgenommen. Desweiteren macht tvwish Vorschläge, die auf bisher gemachten Aufnahmen beruhen. Eine tolle Sache. Man kann sich eine Liste aller interessanten Filme machen ("goodmovies.txt"), die dann automatisch aufgenommen werden. Irgendwann kommt ja jeder Film mal im Fernsehen!
Ein wichtiger Punkt für die Automation des Aufnehmens ist, dass man den Rechner so konfiguriert, dass er sich zu bestimmten Uhrzeiten einschaltet und mit der Aufnahme selbstständig beginnt. Ich habe für meinen Rechner den Weg über den Standard ACPI (ACPI und mythtv hier) gewählt, das war aus meiner Sicht das einfachste. Es geht aber auch anders, z.B. mittels nvram (erfordert Frickelei).
Wenn der PC schon das Fernsehgerät ersetzt, dann braucht man auch eine ordentliche Fernbedienung. Mittels LIRC lässt sich das leicht lösen.